Soundstructures

SOUNDSTRUCTURES

 

"Defining Visual Music

There are differently formed visual structures that can be called Visual Music.

[…]

A visualization of music which is the translation of a specific musical composition (or

sound) into a visual language, with the original syntax being emulated in the new visual

rendition. This can be done with or without a computer. This can also be defined as

intermedia. [...]" (Jack Ox, Cindy Keefer, On curating recent digital abstract visual music,

2006)

 

Klang ist Energie, messbar, speicherbar, reproduzierbar. Klänge können codiert und

decodiert werden. Musik wird niedergeschrieben. Abstrakte Symbole angeordnet in

Strukturen repräsentieren Klänge.

Wenn ein Steinmetz einen Stein behaut so begleiten Klänge diesen Prozess. Zu jedem

Hieb gibt es einen Klang, zu jedem Eisen sowie zu jedem Stein einen Einzigartigen.

Fragt man einen Steinmetz ob er aus der Oberfläche des Stückes den dazugehörigen

Klang abrufen kann so wird es dies bejahen. Der Klang der Bearbeitung ist somit mehr als

ein simples ephemeres Nebenprodukt, er wurde in der Oberfläche konserviert.

Um Klang darzustellen muss man zunächst verstehen wie der Klang aufgebaut ist.

Klang, bzw. Schall ist eine Welle, die aus einer Oszillation von Druck zusammengesetzt

aus Frequenzen durch ein Medium übertragen wird. Um die Zusammensetzung der

Schallwelle zu analysieren bedarf es einer Aufschlüsselung der einzelnen

Frequenzen. Hierzu dient die Kurzzeit Fourier Transformation

(STFT) da diese zusätzlich Informationen über das zeitliche Auftreten von

Frequenzanteilen im Signal bereitstellt. Dadurch ist sie besonders für Signale, wie

Schallwellen, deren Frequenzeigenschaften sich im Laufe der Zeit

verändern geeignet. Hierbei wird das Signal in kurze Zeitabschnitte unterteilt und deren

Spektralbereich aufgeschlüsselt, anstatt nur das Frequenzspektrum des gesamten Signals

zu analysieren. Drei Faktoren benötigt man dementsprechend zur Codierung, bzw.

Decodierung (Zu der Zeit X bei Frequenz Y liegt die Amplitude bei Z).

In meiner Serie Soundstructures versuche ich die original Syntax des Klanges mit dem

Material der Klangentstehung zu repräsentieren. Zunächst wähle ich Material und Format,

wobei sich manche Formate aus dem Material ergeben, anschließend vollziehe ich die

Handlung, welche die Oberfläche beschreibt und gleichzeitig den Klang erzeugt. Dieser

Klang wird aufgezeichnet, anhand einer Kurzzeit Fourier Transformation entsprechend der

Auflösung des Formates analysiert und im Anschluß als eine Art Partitur

niedergeschrieben. Wie ein Musiker, geleitet von einem Dirigenten, streng der Partitur

folgend wird der ursprünglich eingefangene Klang so oft wiederholt bis sich die Struktur

vollends ausgebildet hat und das Stück zu Ende ist. Somit ist jedes Werk mehr als nur

eine Skulptur oder Zeichnung, es ist auch Aufführung und Speicherung. Ein kurzer

Moment tausendfach wiederholt, rhythmisierte Handlung, ein Ostinato, Klang und Stille

zugleich, visuelle Musik.

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